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Zinsen

“Ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist. Du hebst Geld ab, das du nicht eingezahlt hast, und du erntest, was du nicht gesät hast.” Zu ihm sagte der Herr: “Du Nichtsnutz [wörtlich: boshafter Diener], du hast dir selbst das Urteil gesprochen. Du wusstest also, dass ich ein strenger Mann bin, [also] dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe. Warum hast du dann mein Geld nicht wenigstens auf die Bank gebracht? Dort hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen wiederbekommen.” (Lukas 19:21-23, Die Gute Nachricht)

Diese drei Verse gehören zum “Gleichnis vom anvertrauten Geld”. Mit dieser Parabel begegnete Jesus der Erwartungshaltung der Menschen, das Königreich Gottes würde umgehend anbrechen (V 11). Seine Vorliebe für einfache Geschichten aus dem Lebensalltag, die moralische und/oder geistliche Lehren vermitteln, ist ja bekannt. Hier bediente Er sich also eines Gleichnisses aus dem Finanzbereich (ein Pfund = drei Monatsgehälter) um deutlich zu machen, dass das Königreich Gottes schrittweise durch persönlichen Gehorsam Gott gegenüber und unserem Mitwirken bei Seinen Plänen und Absichten erkennbar wird.

Zudem liefert auch dieses Gleichnis wichtige Prinzipien für den Umgang mit Geld im Königreich Gottes. Beleuchten wir doch mal das Thema Zinsen. In allen Ländern, in denen ich bisher gelebt und gearbeitet habe, verteidigen Gläubige den Geldzins leidenschaftlich als biblisch, oft auf Basis von Lukas 19:23. Diese Sichtweise und Logik stelle ich infrage.

Der dritte Diener rechtfertigte seinen Nichtgebrauch des anvertrauten Geldes mit dem Vorwurf, der neugekrönte König sei ein strenger Mann (V 21a), der, so die klare Definition, etwas abhebt, was er nicht eingezahlt hat und erntet, was er nicht gesät hat (V 21b)

Jesus überführte ihn jedoch als boshaften Lügner bei dem Handeln und Reden nicht übereinstimmen, sonst hätte er nämlich logischerweise das Geld zum Zinsgewinn zur Bank gebracht. So tat Jesus also genau das Gegenteil von dem, was viele gern in diese Stelle hineininterpretieren. Er bewilligte nicht die Zinseinnahme Seine Diener (uns), damit Er es bei seiner Wiederkehr abheben kann, sonder missbilligte den Zinsgewinn deutlich. Warum?

      Zunächst einmal lobte er die ersten beiden Diener (V 17+19), die in totalem Gegensatz zum Dritten gehandelt hatten, ohne das anvertraute Geld zur Bank zu bringen.
      Zweitens war das Thema Zinsen (“du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast”) ein Argument des dritten Dieners, den Jesus daraufhin lediglich mit seiner eigenen Argumentation als ungehorsamen und untreuen Lügner entlarvte.
      Drittens und vielleicht am wichtigsten: Jesus ist zweifelsohne das Gegenteil von einem König, der sich auf Kosten anderer bereichert. Wenn Er uns also auffordert Ihm nachzufolgen (Matthäus 16:24) und wir stückweise Jesu Wesenszüge annehmen sollen (Johannes 3:30), dann wäre unsere Bereicherung auf Kosten anderer ein Widerspruch.

Leider neigen wir dazu Dinge zu verteidigen, an die wir uns gewöhnt haben und die wir nicht anders kennen. Anstatt Gottes Wort zu erlauben unsere festgesetzten Perspektiven zu überprüfen, laufen wir Gefahr unbiblische Prinzipien umzubenennen um sie für uns akzeptabler zu machen. Zinsen sind Einkommen ohne Arbeit für den Empfänger und Arbeit ohne Einkommen für den, der zahlt. Deshalb stehen Zinsen unter anderem auch in starkem Widerspruch zu Paulus’ Aussage in 2. Thessalonicher 3:10, wonach diejenigen, die nicht arbeiten, auch kein Anrecht auf Versorgung haben. Möglicherweise macht es doch Sinn unsere Haltung in Sachen Zinsen zu überdenken?

Gottfried Hetzer

Hinweise: (1) Dieser Artikel spiegelt die Erkenntnisse, Gedanken und persönliche Meinung des Verfassers wider und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Bild: © stock.xchng (SXC)


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