CKB Blog

Corporate Blog der Christlichen Kooperationsbörse

Bestechung, Schmiergeld

„Er hoffte auch im Stillen, von Paulus Bestechungsgelder zu bekommen. […].“ (Apostelgeschichte 24:26, Die Gute Nachricht)

Das Lexikon definiert „bestechen“ als das Geben von Geld oder anderem Anreiz, jemanden davon zu überzeugen etwas zu tun, vor allem etwas Illegales und Unehrliches, das er/sie sonst nicht tun würde. In Wahrheit findet Bestechung jedoch sowohl im Rahmen illegaler als auch legaler (!) Handlungen und in beide Richtungen gehend statt, also entweder initiiert von dem der Schmiergeld will oder dem, der Schmiergeld anbietet.

Bestechung/SchmiergeldDie Apostelgeschichte berichtet von Paulus’ ungerechtfertigtem Gefängnisaufenthalt. Der Statthalter Felix hielt ihn nur deshalb gefangen, weil er sich für die eigentlich rechtmäßige Freilassung Schmiergeldzahlungen erhoffte! Wir sollten von Paulus’ Beispiel lernen, der diesem perversen Ansinnen nicht nachgab und lieber zwei weitere Jahre im Gefängnis blieb! Wären wir dazu bereit? Leider sehen das noch zu viele Christen anders, genauer gesagt halten sie solch eine Haltung für schlichtweg dumm oder bestenfalls unglücklich.

Während unserer Zeit in Afrika wollten mir Christen weismachen, dass z.B. die Bestechung von Beamten der Einwanderungsbehörde zwecks Aufenthaltsgenehmigung gerechtfertigt ist, weil sie so ja schließlich Gott in diesem Land dienen und verkündigten könnten. Frage: Ist es möglich einem gerechten Gott durch bewusst unrechte Handlungen zu dienen?

In Europa hielten mir beispielsweise christliche Geschäftsleute entgegen, dass Schmiergeldzahlungen ihres Unternehmens durch die Arbeitsplatzsicherung der Angestellten gerechtfertigt seien. So edel sich das auch anhört, was wohl die Arbeitnehmer der anderen, dadurch benachteiligten Unternehmen dazu sagen würden?

Das sind nur zwei Beispiele aus einer Fülle an persönlichen, international erlebten Konfrontationen mit Bestechung bei verschiedenen Unternehmen, in Hilfsorganisationen, Regierungsstellen, Postämtern, Telefongesellschaften, Stadtverwaltungen, dem Jugendgericht, Obersten Gerichtshof, einer Anwaltskanzlei, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Krankenhäusern, der Polizei, im Gefängnis, ja sogar Missionsgesellschaften und Kirchen. Bestechung durchzieht alle Gesellschaftsebenen und –schichten und alle Domänen, überall auf der Welt, auf individueller, gemeinschaftlicher und nationaler Basis. Legt man die säkulare Definition zugrunde dann werden der Realwirtschaft jährlich weltweit mindestens zwischen 0,5 und 1,0 Billionen Dollar entzogen, natürlich zu Lasten der Normalbürger.

Während in Entwicklungsländern Bestechung zwar offensichtlicher ist, jedoch nur den Dummen, die sich erwischen lassen, als Verbrechen angelastet wird, erlauben die ausgeklügelten Gesetze und Regulierungen der westlichen Welt vieles als rechtmäßig, das biblisch gesehen als Bestechung gewertet wird.

Wo also ist die Grenze, die definierende Richtlinie was Bestechung ist und was nicht? Die säkulare Welt mag wohl eine ziemlich klare Definition auf dem Papier haben, gegen die gemessen werden kann. Aus biblischer Sicht findet Bestechung jedoch im Herzen statt und ist somit oft nur für Gott sichtbar. Wie weit verbiegen und verdrehen wir Gottes Prinzipien von Recht und Rechtschaffenheit um Ziele zu erreichen? Der Glaube, dass der Zweck die Mittel heiligt, kann schnell zur Falle werden. Denn dann erlauben mir Schmiergeldzahlungen etwas scheinbar Vorteilhaftes für das Königreich zu tun. Dann wäre es ganz einfach dumm nicht zu bestechen, wenn sich dadurch die Türen zu guten Möglichkeiten für das Königreich schließen. Aber vielleicht sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden:

„Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst die Person nicht ansehen und kein Bestechungsgeschenk nehmen. Denn das Bestechungsgeschenk macht die Augen der Weisen blind und verdreht die Sache der Gerechten.“ (5. Mose 16:19, Elberfelder)

„[…] wer aber Bestechung hasst, der wird leben“ (Sprüche 15:27, Revidierter Luthertext)

„Ein König gibt durch das Recht dem Land Bestand; aber wer [nur] Abgaben erhebt [eigentlich: Bestechungsgelder verlangt], zerstört es.“ (Sprüche 29:4, Elberfelder)

„[…] das Bestechungsgeschenk richtet das Herz zugrunde .“ (Prediger 7:7, Elberfelder)

Gottfried Hetzer

Hinweise: (1) Dieser Artikel spiegelt die Erkenntnisse, Gedanken und persönliche Meinung des Verfassers wider und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Bild: © lusi & stock.xchng (SXC)


Stichworte zu diesem Artikel: , , , ,

...

...